Industrie Futtermittel

Reichen Heu und Stroh nicht aus?

Jedes Jahr wird die Menge der angebotenen Futtermittel für Pferde größer und verwirrender. Futtermittel in jeder nur erdenklichen Zusammenstellung werden angeboten, sehr oft mit abenteuerlichen Garantien.
Manche so abenteuerlich, das man sich fragt wie die Pferde das geworden sind was sie heute sind. Viele Pferdehalter sind damit überfordert. "Was und wieviel braucht mein Pferd für eine gesunde und bedarfsgerechte Ernährung?" eine Frage die sich viele Halter stellen, doch längst nicht jeder geht dieser Frage nach und sucht nach Antworten.

Sie verlassen sich auf Hochglanzprospekte und auf die Werbung, die ein gesundes und leistungsfähiges Pferd versprechen. Pferdebesitzer die sich mit der Materie der Fütterung beschäftigen wollen, sollten zuerst einmal wissen, was in den Futtermittel drin ist.

Nährstoffgehalt

Zur Ermittlung des Nährstoffgehaltes bietet es sich an, Grundfuttermittel, wie z. B. Heu, Grassilage, aber auch Getreide bei der LUFA untersuchen zu lassen. Informationen gibt es auf der Seite der Landwirtschaftskammer im Internet. Selbstverständlich kann nicht jeder Ballen Silage/ Heu untersucht werden, aber eine Durchschnittsprobe von einer Fläche gibt Hinweise auf den Energie-, den Rohprotein- und Rohfasergehalt. Getreide kann im Rohprotein- und Energiegehalt erheblichen Schwankungen unterworfen sein. Bei der Einsendung von Proben ist der Hinweis auf Pferdefütterung wichtig, damit die Protein- und

Energiegehalte entsprechend dargestellt werden können. Jedes Jahr unterliegen die Untersuchungen erheblichen Schwankungen, die nicht mit einer Sinnenbeurteilung (Farbe, Geruch) erfaßt werden können.

Rationsberechnung

Rasse, Alter, Gewicht und Nutzung des Pferdes spielen bei der Rationsberechnung eine Rolle. Bei Kleinpferden und Ponys reicht Heu, Stroh und einem vitaminierten Mineralfutter für eine ausreichende Ernährung.

Grundfuttermittel

Grundfuttermittel wie Heu, Grassilage, Stroh, benötigt das Pferd auf jeden Fall. Diese können den Nährstoffbedarf zu einem wesentlichen Anteil decken und fördern das Kauverhalten, erhöhen die Speichelbildung, sind wichtig für die Verdauung im Magen und Darm. Die bekanntesten Kraftfutter sind Hafer, Gerste und Mais sowie industriell hergestellte Mischfutter aus verschiedenen Getreidearten.

In fast jedem Pferdestall lassen sich verschiedene Mischfutter finden. Sie weisen eine gleichbleibende Qualität auf. Auf dem Säcken ist vermerkt, aus welchen Futtermitteln das Mischfutter hergestellt wurde (das Futtermittel, wo von am meisten enthalten ist, steht oben), und wieviel davon pro Tag gefüttert werden kann und darf.

Die Futtermittelverordnung regelt Mindest- und Höchstmengen. Die meisten fertigen Futtermittel gibt es in Form von Pellets. Einige Pferde schlingen die Pellets hinunter, das kann zu Schlundverstopfungen oder Koliken führen. Wer fertiges Mischfutter verfüttern will, sollte erst einmal darüber nachdenken, zu welchem Zweck das Futter dienen soll. Eine Ernährung mit Hafer (evtl. Gerste), Heu, Grassilage, Stroh und ein vitaminreiches Mineralfutter kann die Wünsche eines Pferdes voll befriedigen. Kommt noch Weidegang dazu, ist das Glück perfekt.

Wird statt Hafer ein Mischfutter gegeben, so kann im Normalfall auf das Mineralfutter verzichtet werden da diese Futtermittel sowohl Vitamine, als auch Mineralstoffe enthalten.

Einsatz von Kraftfutter

Vor dem Einsatz von Kraftfutter, egal ob Getreide oder industrielles Mischfutter, sollte der Pferdehalter wissen, welche Nährstoffergänzung für die Leistung seines Pferdes notwendig sind. Beim normalen Sportpferd, das ca. eine Stunde pro Tag geritten wird, bietet sich einErgänzungsfuttermittel mit ca. 7 % Rohprotein und 12 MJ verdaulicher Energie an. Mehr Proteingehalte sind nicht erforderlich, da Heu oder Grassilage und Getreide eine ausreichende Menge dieses Nährstoffes enthalten.

Hinweis

Etliche Firmen bieten für jeden Geschmack und Geldbeutel Futtermittel an. Mehr oder weniger Sinnvolles. Tut eurem Pferd etwas Gutes und kauft nicht wahllos. Was der Nachbar füttert, muß für euer Pferd noch längst nicht nötig und/oder sinnvoll sein. Laßt euch die Futtermengen berechnen und erklären. Einige Hersteller von Futtermitteln bieten eine Beratung an.

Die Landwirtschaftskammer mit ihren Beratern in den Bezirksstellen kann euch behilflich sein. Der Wunsch, Pferde mit Futtermitteln gesund zu füttern, geht selten bis nie in Erfüllung. Dunkle Ställe mit viel Mist, wenig Auslauf bzw. Bewegung werden nicht kompensiert durch Futtermittel mit Kräutern oder Mineralien. Höchstens das Gewissen des Besitzers läßt sich damit beruhigen. Weniger ist häufig mehr. Eine gesunde Haltung spart Geld, beim Futter und beim Tierarzt.