Hufpflege


Der Huf ist eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das wichtigste "Organ" beim Pferd, das sorgfältig gepflegt werden muss.

Die fünf wichtigsten Punkte seien an den Anfang gestellt

1.Hufe mehrmals täglich ausräumen

2.Hufe täglich wässern

3.Hufe nur in Ausnahmefällen fetten oder ölen

4.Hufe nur beschlagen, wenn unbedingt erforderlich

5. Hufe regelmäßig und korrekt beschlagen


Die Bedeutung der Hufe

Die Bedeutung der Hufe für die Pferde besteht nicht nur in der Fortbewegung, sondern in ihren Funktionen als Stoßdämpfungssystem und als Pumpe, die das Blut aus dem Huf wieder nach oben pumpt.

Der Huf ist vielfältig und wechselseitig mit dem Gesamtorganismus verbunden: über das Beinskelett sowie über Gelenke, Bänder, Sehnen und Muskeln mit dem Körper über die Blutgefässe und das Blut selbst, über die Nerven mit dem Zentralnervensystem.

Ein gesunder Huf kann folgende Funktionen erfüllen:

1.Schutzfunktion.

Der Huf kann als ständig nachwachsender ,,Schuh,, angesehen werden. Er schützt das Ende der Beine gegen äußere Einwirkungen wie Austrocknung, mechanische Beschädigung und Temperaturschwankungen.

2.Sicherheit beim Auffußen/Aufsetzen

Der Huf gibt auf jedem Untergrund die notwendige Sicherheit beim Aufsetzen durch sein Sohlenprofil.

3. Stoßdämpfung

Die Hufkapsel ist für die Stoßdämpfung konstruiert. Eine gesund geformte Hufkapsel fängt ca. 80% der Aufprallenergie ab. Die höher liegenden Gewebe bis hin zur Lunge werden geschützt.

4. Pumpfunktion für die Blutzirkulation.

Dies ist eine lebensnotwendige, weil herzunterstützende Funktion, die am meisten gefährdet ist. Beim Auftreten kommt es zur Erweiterung des Hufkapseldurchmessers. Dadurch kann sich die Huflederhaut zur vollen Dicke entspannen. Das Blut kann in die Venenkapillare einfließen und frisches Blut kann nachströmen. Beim Hochheben (Entlasten) des Hufes wird der Zwischenraum wieder eng, die Venen werden ausgedrückt und das Blut wird aufwärts bewegt. Auf dem Weg nach oben spielen die Gelenke (straffe Bindegewebshäute, Bänder) des Fußes und oberhalb des Wurzelgelenkes die Muskeln eine wichtige Rolle.

Stetige Wiederholung des Be- und Entlastens durch Bewegung, wirkt als Pumpe, die das Blut wieder hinauf in den Rumpf bringt.

Hufe und Haltungsbedingungen

Hufgesundheit und damit die Pferdegesundheit kann nicht unabhängig von den äußeren Bedingungen (Böden, Bewegung, Stall) des Pferdes und dem nGebrauch der Hufe gesehen werden. Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Haltungsbedingungen und physiologischer Hufform.

Notwendig

Notwendig sind Haltungsbedingungen, die dem Bedürfnis nach ständiger Bewegung gerecht werden. Sollen die Hufe gesund sein, müssen sie permanent in Bewegung sein. Die Einschränkung des Bewegungsraumes durch Boxenhaltung ist auf keinen Fall Artgerecht.

Ein Kompromiß gegenüber natürlichen Bedingungen ist eine Offenstall-/Weidehaltung. Diese wiederum steht der ganzjährigen Nutzung des Pferdes als Sportpferd entgegen.

Bei den ,,Wildpferden,, ist keine Hufpflege nötig.

Der ursprüngliche Lebensraum von Pferden ist die offene Steppe unter freiem Himmel. Für das Pferd bedeutet das:

1. Ständig frische Luft, Licht/Sonneneinstrahlung.

2. Ständig in Bewegung, bis 50 km und mehr am Tag.

3. Nahrungsvielfalt bei Wanderungen und Saisonwechsel.

4. Ständig wechselnde Temperaturen und Klimaschwankungen.

5. Direkter Kontakt mit dem natürlichen Boden.

6. Tägliche Fußbäder beim Saufen und im Morgentau (Hufe werden feucht gehalten)

7. In einer Herde leben (Sozialkontakt).

8. Natürliche Körperhaltung beim Grasen.

9. Ruheplätze im Freien

Die Haltung

Die Haltung unserer Pferde als Hautiere findet meist in Einzel- bzw. Boxenhaltung in einem mehr oder weniger geschlossenen Stall statt. Das kommt mehr den menschlichen Bedürfnissen entgegen, als den Bedürfnissen der Pferde.

Für das Pferd bedeutet das:

1. Meist konstante Temperaturen, kein Klimareiz.

2. Mangel an frischer Luft, Licht/Sonneneinstrahlung.

3. Mangel an Bewegung (zu wenig, zu kurz, unnatürlich).

4. Ruheplatz im geschlossen Raum (mit Ammoniakeinfluss, Staub, weiche Einstreu)

5. Unnatürliche Körperhaltung (Kopf hoch).

6. Einzelhaltung/Einzelhaft (Herdenleben ist nicht möglich).

7. Zu geringe Nahrungsvielfalt, keine Auswahl möglich.

8. Wassermangel an den Hufen.

9. Hufe in der Regel beschlagen, oft mit unphysiologischer Hufform, mit Huffett gepflegt.

Kaum bis keine Unterschiede

Da sich unsere Pferde in ihren Bedürfnissen und ihren Verhaltensmerkmalen nicht von ihren Ahnen (Steppentier, Lauftier, Fluchttier, Herdentier, Dauerfresser) unterscheiden, müssen bei einer tiergerechten Pferdehaltung, die bei wildlebenden Pferde gefundenen Bedürfnisse auch bei unseren Pferden berücksichtigt werden.

Durch Zucht haben sich die Leistungsmerkmale unserer Hauspferde zwar verändert, doch die Grundlage - die Organe ändern sich nicht - und zu den Organen zählt auch der Huf. Die Umwelteinflüsse, sprich die Lebens-/Haltungsbedingungen stellen die Hauptfaktoren der Huf- und Pferdegesundheit dar.

Fest steht:

Pferde mit gesunden Hufen, ersparen dem Besitzer viele Tierarzt- und Hufschmiedkosten. Besitzer und Reiter haben mehr Spaß am "Sportpartner,, Pferd, das Pferd ist immer vorbereitet für die gemeinsame Arbeit.

Der Einfluß des Reiters und Besitzers auf gesunde Hufe ist groß. Das bedeutet allerdings auch konsequente Arbeit und Pflege. Ist einmal die Verantwortung für den "Partner" Pferd und sein Wohlergehen übernommen, steht die Hufpflege an erster Stelle.

Dazu zählt:

1. Die artgerechte Haltung (leider nicht immer möglich).

2. Uneingeschränkte Bewegung im Freien (leider nicht immer möglich).

3. Eine der Natur nachempfundene Hufbearbeitung (ein guter Hufschmied/Hufpfleger kann das).

Gesunde und leistungsfähige Hufe

Pferde mit gesunden und leistungsfähigen Hufen sind nur zu erreichen durch entsprechende Haltungsbedingungen und optimale Pflege. Offenlaufstall-/Gruppenhaltungssysteme kommen den naturnahen Lebensbedingungen der Pferde am nächsten.

1. Ständiger Aufenthalt im Freien mit Wetterschutz.

2. Möglichkeiten zur ständigen Bewegung.

3. Unterstand mit guter Luftzirkulation, keine Einstreu.

4. Natürliche Körperhaltung bei der Futteraufnahme (vom Boden).

5. Gruppen- oder Herdenleben.

6. Ständiges Rauhfutterangebot (Heu, Äste, Gras).

7. Nahrungsvielfalt.

In der Hufpflege gilt:

1. Tägliche Wässerung der Hufe (Schwemme, Hufbad)

2. Mehrmaliges tägliches Ausräumen der Hufsohle, (Befreien von Mist, Ammoniak und Steinen)

3. Kein Fett oder Öl an die Hufe bringen (nur nach Absprache mit einem TA, Hufschmied/Hufpfleger).

4. Hufe möglichst nicht beschlagen

5. Physiologisch korrekte und regelmäßige Hufbearbeitung

Sicher, das hier beschriebene wäre eine sehr gute Lösung für unsere Pferde, doch muß man ganz ehrlich sein. Es gibt nicht viele Ställe wo dies möglich ist. Oft fehlt es an Platz, dann wieder an Geld, oder die sportliche Nutzung der Pferde lässt sich nicht mit den optimalen Haltungsbedingungen vereinbaren. Auch sind es die Unwissenheit der Pferdebesitzer, alt eingesessene Werte und Vorstellungen (die leider nicht immer richtig sind), die es verhindern, dass sich Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen.